Mein Samstag verlief dann so:
Am frühen Abend kehrte ich bei Maren ein (mit köstlichem Spumante und einer Art Notverkleidung im Gepäck) wo wir uns grob fertigmachten und noch eine Kleinigkeit aßen bevor wir nach Berne (oder so) fuhren wo wir uns mit Nicole, deren Freund und noch zwei Leuten treffen sollten.
Im Vornherein fertigten wir noch um unseren Alkoholpegel ausreichend hoch zu halten Schlampepampe an, ein "Cocktail", würde ich mal euphemistisch sagen, hier das Rezept:
- eine Flasche Wodka
- ein Liter Saft (idealerweise Maracujasaft, wir haben Multivitaminsaft genommen - geht auch...)
- zwei Becher Sahne
- Vanillezucker
Das alles wird in zwei Einliterflaschen geschüttet, durchgerührt und fertig ist der Lack - es sieht zwar nicht besonders appetitlich aus, schmeckt aber köstlich und erfüllt auf jeden Fall seinen Zweck (und einen Kater macht es auch nicht, aber vielleicht hatte ich nur immer Glück bisher) - eine halbe Falsche Wodka reicht schon für die meisten Leute...
Der als Vorglühen angesetzte Event entpuppte sich als ein wenig... zwiespältig... das Ganze fand in der Wohnung von Nicoles Schwester statt, die gerade erst eingezogen war, deswegen sahs noch total kahl aus, die Eltern die da auch noch rumtobten waren Reinlichkeitsbesessen, die Schwester und eine Freundin von ihr um es vorsichtig auszudrücken humorresistent und irgendwie war alles ganz ganz komisch... Außerdem waren Maren und ich die meiste Zeit, zumindest am Anfang allein, weil die anderen sich noch irgendwie fertigmachen mussten oder so...
Jedenfalls hat mich Maren ausgezeichnet geschminkt und ich war ein guter Geisterbahnerschrecker (der Schwester hab ich erzählt, ich wäre ein Pirat, aber das fand sie nicht lustig und hat dann nicht mehr mit uns geredet, naja...), sie selber war die Zahnfee, Nicole war... öh... knapp bekleidet mit Hörnern und ihr Freund, der Michael war Drakula (aber als hätte jemand, der erst Mitte Zwanzig ist den Auftrag bekommen, auszusehen wie Sky Dumont, der Drakula spielt - aber trotzdem gut irgendwie...

(Drakula hat einen im Tee...)

(die Zahnfee und der Geisterbahnerschreckerpirat auch, aber das macht nichts...)
Gegen elf kamen wir dann auch los (die Schwester und deren Freundin wollten auf einmal nicht mehr), mit einer halbwegs improvisierten Mischung aus Bus und U-Bahn fuhren wir zum Rothenbaum (für alle Nichthanseaten: eine der zahlreichen Nobelgegenden Hamburgs) wo die Party (für die wir tollerweise schon zehn Euro im Voraus berappt hatten) in einer gigantischen und auch ganz gut geschmückten Gründerzeitvilla (die sich später als Verbindungshaus herausstellte) geschmissen wurde...

(viele Hexen, keine Piraten... schade)
Okay, es waren viele verkleidete Leute da (ich hab mich lange mit dem wahrscheinlich aufwändigst kostümierten bösen Engel den ich jemals getroffen habe unterhalten, und die üblichen Mädels-mit-Teufelshörnern in rauen Mengen), aber trotzdem wars irgendwie lame... die Musik war irgendwie kacke (oben nur House, unten nur Partyatzenmusik, auf jeden Fall nicht besonders Halloweenmässig oder auch nur abwechslungsreich) und die Leute irgendwie so überhaupt nicht entspannt (vermutlich da sie sich erst über den hohen Eintrittspreis und danach gleich über die gigantischen Getränkepreise geärgert haben). Maren und ich (haha, und Drakula erstmal!) waren wenigstens schon ordentlich betrunken als wir da ankamen, was wohl einige Defizite (Damentoiletten: drinnen, Herrentoiletten: draußen im Dixiklo, ohne Möglichkeit zum Händewaschen...) ausgeglichen hat, aber trotzdem wars irgendwie nicht daß was wir erwartet hatten. Dafür war ein guter Schwede da, der immer "ich liebe Deutschland" gesungen hat und Maren wurde von einem bestimmt 40-jährigen Kerl zu einem Drink eingeladen, den er ihr aber, als wir uns ihn teilten (es war Gin-Tonic, glaube ich) wieder wegnahm und damit verschwunden ist...

(der marilynmansonesque Schwede war Michael Jackson - leider konnte man sich mit ihm nicht so gut unterhalten weil er so grenzenlos begeistert von Deutschland war)
Ungefähr drei Stunden hatten wir es da ausgehalten, dann wollten wir eigentlich nach hause. Also sind wir zur nächsten Bushaltestelle gelatscht und von da aus zum Rathausmarkt gefahren. Das Highlight der Fahrt war ein Penner, der mir einen erzählt hat, daß der Bus 16 Meter lang ist, daß er von 200 Euro im Monat lebt und ganz viele Karzinome hat. Außerdem ist er der Freund vom Busfahrer, denn der hat ungefähr an jeder einsamen Pfandflasche angehalten damit er sie einsammeln kann. Löblich!

(fulminantes Gebäude von außen...)
Die anderen beiden sind irgendwie ausgestiegen zwischendurch und plötzlich waren wir in der U-Bahn Station Rathaus. Leider war gerade Zeitumstellung und deshalb wussten wir nicht wann Bahnen fahren. Immerhin war Sascha wach und hätte uns auch abgeholt, aber wir beschlossen spontan (bzw. ließ sich Maren durch das Versprechen, ihr einen Kaffee auszugeben um der Müdigkeit entgegenzuwirken), lieber ins Molotow zu fahren - mit dem Taxi nämlich...
Taxifahren ist immer so eine Sache, ich mache es eigentlich gar nicht so gerne aber als ich mich in die knuffigen Kunstledersitze des VW Touran fallen ließ und Maren, immer noch als Zahnfee verkleidet obwohl ich inzwischen die Maske aufhatte ihn zum Kiez beorderte fühlte ich mich irgendwie wohl. Die Musik war auch besser, es kam irgendwas von den Killers und von Weezer im Radio und ich hielt es für eine gute Idee, leise mitzusingen... An der Esso wo er uns rausließ karrte der Taxifahrer auch prompt ein paar Asis an, die ihn nicht aus dem Weg gehen wollten - das gefiel mir auch weil es so herrlich konsequent war... und das alles für nur knapp sechs Euro!

(Standard-Partybild...)
Schnell noch nen Cappucino-Fertigdrink an der Tanke erworben und ab ins Molotow. Wir waren immer noch entzückend geschminkt und der DJ legte feine Musik auf für die Indie und Emofreunde der Stadt (auch wenn er den meisten unserer Wünsche leider nicht nachkam - immerhin hat er LeTigre für uns gespielt, yeah). Und immerhin vergaßen wir die Müdigkeit und blieben bis kurz vor Sechs (nach alter Zeit, eigentlich ja nur fünf...) da um dann wirklich müde mit irgendeiner ziemlich überfüllten U-Bahn zurück zur Burgstraße zu fahren...

(Rocken im Halbdunkel - ich maaaag das Molotow - das im übrigen gerade 15 wird und deshalb angeblich zwei, drei neue Möbel spendiert bekommen hat)
Reste der Schminke vom Gesicht (ich hab tierischen Ausschlag jetzt - gna), schlafen gehen (es wurde schon langsam hell)... Im Nachherein war der Abend superlustig, auch wenn er vielleicht etwas zwiespältig angefangen hat...

(Zeit zum Schlafengehen...)






























