Ausgeschlafen. Die Sonne scheint (natürlich). Elf Uhr. Frühstück gibts sowieso nur bis zehn, also kein Stress. Ich packe meinen Kram (leichtes Gepäck: kleine Tasche, Kamera, Reise- und Sprachführer, mein Moleskine das ich bis zum Ende der Reise komplett vollgeschrieben haben werde), kaufe mir im Supermarkt ausreichend Wasser für die ersten paar Stunden und fahre in Richtung Stadt. Erstaunlich, wenn alles glatt läuft sitzt man schon etwa eine halbe Stunde später am Hauptbahnhof - der römische ÖPNV ist gnadenlos effizient (und günstig!). Alle zehn Minuten ein Bus, alle fünf eine U-Bahn. Wer will kann auch nach Heidelberg:

Der öffentliche Personennahverkehr Roms, speziell die Busse sollte mir allerdings ein Rätsel bleiben. Wann fahren sie? Wohin fahren sie? Die wievielte Station ist meine? Keine Ahnung. Thrill und Action - das ist es was man erleben kann steigt man dort in einen Bus.
Ratlos was ich zuerst besuchen soll entscheide ich mich mehr oder weniger zufällig für die Spanische Treppe. Allein schon weil sie an der gleichen Linie (von zwei, zwei weitere sind allerdings im Bau - es ist nur schwer, dort U-Bahnen zu bauen da das gesamte Erdreich voller Kulturschätze steckt, ein Problem was zumindest die Trierer kennen sollten) liegt wie Anagnina.
Raus aus der Bahn. Heiß. Einmal um die Ecke und gleich an der Treppe stehen:

Wahnsinn! Und so leer! Tatsächlich, im August machen viele Leute einen Bogen um Rom. Deshalb brauchen einige Buslinien auch nur von sehr kleinen und niedlichen Bussen befahren werden:

Ein paar Meter weiter zeigt sich bereits eine sehr beliebte Sportart der Römer. Sie stellen gerne Figuren von Heiligen auf hohe Säulen und gucken was passiert. In der Regel nichts, aber man kann ja nie wissen:

Ich schlendere durch das Viertel, vorbei an diversen Kulturgütern wie billigen Spazierstöcken (ein Ärger daß ich keinen erworben habe!)...

...und den obligatorischen Motorrollern.

Klar, alles prima, alles spitze, alles toll. Ich bin aber nicht (zumindest nicht nur) wegen der barocken Pracht und vieler Treppenstufen gekommen. Es ist die Antike die mich in die Stadt zieht. Orientierungslos (ich vermute die Hitze hat einigen Anteil daran - über dreißig Grad setzen das Gehirn halt schachmatt) wusele ich durch die Altstadtgässchen, vorbei an einem wie im Schlaf liegenden Rom.
Ich weiß nicht wie genau ich dort hingekommen bin, aber plötzlich stand ich vorm Mauoleum des Augustus:

Gut, die Bronzestatue ist nicht mehr oben drauf, auch der Zypressenbewuchs hält sich inzwischen in Grenzen. Die Gesamthöhe von über vierzig Metern wird auch nicht mehr erreicht. Aber wow. Ich war ergriffen.
Ein paar Treppenstufen hinab kann man in dem Graben lustwandeln dere das Mausoleum umgibt. Den Schatten genießend umrundete ich das mächtige Bauwerk.
Ich beschloss als nächstes die Piazza del Popolo aufzusuchen um mir den Obelisken anzusehen. Auf dem Weg dorthin kommt man an jeder Menge kleinerem und kleinsten Gewerbe vorbei. Dieses hier hat sich offenbar auf den Verkauf von Puppenköpfen spezialisiert:

Vom Mausoleum bis zum Volksplatz sind es nur ein paar hundert Meter. Dort angekommen setzte ich mich an einen der Wasserspeier die den Obelisken umgeben.

Andere Touristen hatten Größeres im Sinn. Beziehungsweise: Für ein Foto tun manche Leute wohl alles - auch mit einem steinernen Löwen kopulationsartige Riten vollziehen:


(eine der Statuen die die Piazza umgeben)
Obwohl körperliche Anstrengung mir bei den Temperaturen (noch mehr als sonst!) nicht besonders lag beschloss ich, die Treppen zum Monte Pincio heraufzusteigen um mir den Platz von oben anzusehen - ein wunderbarer Anblick, nicht nur für Freunde der Geometrie:

Der Obelisk steht in der Mitte (praktischerweise ist oben auf dem Berg nochmal einer in viel kleiner, der passt auch aufs Foto wenn man nicht so weit weggeht), die Wasserspeier sind direkt darunter. Das Foto von der Statue ist am linken Bildrand entstanden. Für alle die es noch nicht wissen - man kann auch auf die Bilder klicken, dann öffnen sich die größeren Versionen.
Auf dem Monte Pincio ging ich ein wenig im Park spazieren und an der Villa Medici vorbei in Richtung Spanische Treppe. Zwischendurch wurde ich bestimmt hundertmal von irgendwelchen Mittouristen gefragt ob ich ein Foto von ihnen machen dürfte. Ich kann jetzt also mit ungefähr allen Kameras umgehen die so auf dem Markt sind. Hurra.
Nervige Händler ignorierend (mein Bedarf an gefälschten Markenhandtaschen die ich eh nicht einführen darf ist eher gering) stieg ich die Treppe hinab und wieder in die U-Bahn. Die Pyramide des Cestius, der Circus Maximus und das Kolosseum liegen alle an eigenen Haltestellen genau hintereinander. Ich beschloss bis zur weitesten - der Pyramide - zu fahren und ab da ein Stück zu laufen.
Eine Viertelstunde später latschte ich auch schon aus der U-Bahn Station Piramide heraus und es erbot sich mir folgender Anblick:

Die Pyramide des Cestius, ein außergewöhnliches Bauwerk. Leider waren gerade aufgrund Renovierungsarbeiten die Wege direkt heran verbaut. Der Anblick allein lohnt aber allemal.
Gleich nebenan findet sich die Basilika des Heiligen Pauls:

Obgleich mir das überflüssige Rumgerenne am Tag zuvor ziemlich auf die Füsse gegangen war beschloss ich, zu Fuß bis zum Kolosseum zu gehen.
Etwa anderthalb Kilometer und eine halbwegs schattige Straße später sah ich ein weiteres Stück Antike, den Circus Maximus:

Obacht: Das Gebäude im Hintergrund gehören nicht zur Rennbahn sondern zum Palatin. Der Cirus selber ist die abgesenkte Rasenfläche im Vordergrund.
Mich auf eine alte Säule setzend (eine Form der Bequemlichkeit die sich auch noch häufiger wiederholen sollte) genoss ich den Anblick. Ich war tatsächlich ein wenig gerührt diesen Ort den ich sonst nur aus Lateinunterricht und Studium kannte auch mal wirklich zu sehen. Glücklicherweise habe ich nie irgendwelche Sandalenfilme gesehen weshalb sich vor meinem inneren Auge wenigstens keine schwarzweißen Wagenrennszenen formierten. Glück gehabt.

(Gullideckel in Rom verkünden wem sie gehören)
Eigentlich wollte ich den Tag ja nur damit verbringen mal ein wenig vorzufühlen, zu gucken was es so alles gibt und es gemütlich angehen lassen. Mit gemütlich angehen lassen habe ich es allerdings nicht so weshalb ich den Rumlauftag recht schnell zu einem Was-angucken-Tag machte als ich am Eingang zum Palatin - einen der sieben Hügel Roms, legendärer Gründungsort, später Prestigesitz reicher Bürger und seit Augustus auch Residenz römischer Kaiser - vorbeikam.
Während sich eine Touristengruppe noch formierte huschte ich an ihnen vorbei an die Kasse und war auch sofort auf dem Gelände.

Bei den Ausgrabungen auf dem Hügel gefundene Überreste liegen allerorten herum.
Der Palatin ist herrlich. Zumindest wenn nicht allzu viel los ist. Ich wandelte eine Stunde im Schatten von Nadelbäumen herum und sah an jeder Ecke irgendwelche Ruinenteile. Klar, ich war nicht besonders gut vorbereitet und Inschriften sind auch nicht draußen zu finden weshalb ich jetzt nicht sagen kann auf wessen Forum oder welchen Palast ich gerade herabgeblickt habe. Der Eindruck war allerdings so oder so überwältigend.
An einer Stirnseite des Hügels konnte ich auch schon das Kolosseum sehen:

Gleich um die Ecke liegt das Forum Romanum. Wow. Ich meine, ich habe schon ziemlich viel in den Museen der Welt gesehen - bilde ich mir zumindest ein. Aber selbst das Pergamonmuseum in Berlin macht einen ziemlich erbärmlichen Eindruck gegen diese Ballung von Geschichte. Ich meine, so Abgüsse oder Ausschnitte von irgendwas sind natürlich auch schön aber das hier... das ist der echte Kram, da wo die Geschichte stattgefunden hat.

Im Hintergrund: Die Basilika des Konstantin. Irrtümlich hatte ich das Gebäude für eine Therme gehalten.

Das Gebäude hier in der Mitte ist der Tempel des Romulus.


Der Blick über das Forum der Caesaren vom Palatin aus degradiert die zahlreichen Passanten zu ameisengroßen Gestalten. Im Hintergrund kann man das Denkmal für Vittorio Emanuelle sehen. Der Bogen links mittig ist der Triumphbogen des Septimus Severus, der kastige Bau in der Mitte die Curia Iulia.




Das Privatstadion des Palastes im Haus des Augustus.

Ich vermute hierbei handelt es sich um das Heizsystem unter einer Therme. In diese Gänge wurde heißer Dampf geblasen der dann das darüberliegende Becken erwärmte. Leider gab es an so gut wie keiner Stelle erklärende Texte - oder ich habe sie nur nicht gefunden.
In einem Gebäude an der Südseite des Hügels befindet sich das Palatinmuseum. Eine Sammlung aus Modellen und Fundstücken aus seinem Umfeld präsentiert Besiedlung und Nutzen von vorantiker Zeit bis heute.


Rekonstruktion der ursprünglichen Bauten der Bewohner des Palatin.

Eine einer unbekannten Gottheit gewidmete Inschrift.





Die wohl berühmteste Büste Neros.

Die Front des Tempels des Antonius Pius und der Faustina.

Gegenlicht! Weniger Details, mehr Atmosphäre. Oder so.

Nachdem ich ungefähr 90% des Palatins und des Forum Romanums erforscht hatte schleppte ich mich noch zur U-Bahn Station Colosseo und fuhr von da aus ohne Umschweife ins Hotel zurück.

Den Abend verbrachte ich dann mit Selbstportraits auf der Dachterrasse...
Eigentlich hatte ich vor, den Tag drauf nichts oder nur wenig zu machen. Dieser Plan wurde allerdings jäh durchkreuzt als ich mir die Eintrittskarte vom Palatin nochmal anschaute und feststellte daß sie auch am nächsten Tag bis 13:00 für den Eintritt im Kolosseum gültig wäre. Somit stand mein nächstes Ausflugziel schon fest.