Nachdem wir uns am Bahnhof ein "günstiges" Schleswig-Holstein-Ticket organisiert hatten ging es Richtung Hansestadt, genau genommen zum Hauptbahnhof, wo das Deutsche Schauspielhaus gleich gegenüber gelegen ist. Lange standen wir ob der eminenten Kälte nicht davor und betraten schnell den prachtvollen Innenraum dieser für ein Rockkonzert nicht ganz geeignet erscheinenden Lokation (vor Jahren habe ich dort einmal die Sam Ragga Band beguckt, wo man wenigstens die Stühle aus dem Innenraum entfernt hatte um wenigstens periphär Konzertatmosphäre aufkommen zu lassen).

(Rockstar-Posing vom feinsten)
Unsere Plätze waren schnell gefunden, sechste Reihe, nicht schlecht, früh Karten kaufen hatte sich gelohnt, die Sicht auf die Bühne war ganz gut. Neben uns war das Publikum ziemlich gemischt. Neben den obligatorischen Indietussen entdeckte ich auch eine ganze Menge älterer Leute (also so richtig wirklich alt, über vierzig auf jeden Fall), was mich doch ein kleines bißchen verwunderte...

(Professioneller Blick und ein Gnom im Hintergrund)
Das Licht wurde gedämpft und die Vorband betrat die Bühne. Ökonomisch gut gelöst: Vorband und Begleitband waren die gleichen Personen, so entfiel auch ein erneutes Vorstellen. Die Jungs hießen "The Gnomes" und spielten irgendwas zwischen Rock, Country und Blues... Vielleicht die Kings of Leon in verständlich oder so - schwer zu charakterisieren, aber mir gefiel es sehr gut. Britta machte mich sofort darauf aufmerksam, daß der Bassist/Sänger (tatsächlich durfte jeder mal mitsingen, Erinnerungen an das demokratische Konzept der Von Bondies wurden wach) aussieht, als würde er im Regen auf seine Mutti warten. Der Keyboarder unterdes war ein Zwilling von Stefan Zänker, so ist das...

(haha, noch mehr professionelles Dreinblicken)
Nach einer wirklich sehr unterhaltsamen dreiviertel Stunde wurde der Vorhang heruntergelassen und das Licht reaktiviert - praktisch im Theater: Wenn man auf Klo will braucht man nicht um seinen Platz zu fürchten und muss sich durch Menschenmassen zwängen um wieder vor die Bühne zu kommen. Zwanzig Minuten des mehr oder weniger lässigen Wartens bis dann endlich wieder jemand darauf kam, es dunkel zu machen. Plötzlich wurden wir mit dem wahrscheinlich tollstem Lied von allen - Heal the World von Michael Jackson nämlich, mir wurde ein wenig schlecht, beschallt. Glücklicherweise waren wir vorbereitet und hatten solche Glasfaser-Leuchtstäbe dabei die wir fröhlich im Takt schwangen (Robert Stadlober, der leider nicht so cool ist wie wir äffte uns mit seinem Feuerzeug nach). Der Vorhang liftete sich, die Gnome kamen auf die Bühne und mit ihnen auch der sichtlich beeindruckte Herr Green der sich im Vornherein für eventuelle schlechte Darbietungen ("I'm very very sick tonight") entschuldigte und im Folgenden ab und an mal Zoolander-mässig hüstelte, was in den weiblichen Fanreihen regelmässige Anfälle von spontanem Mutterinstinkt auslöste (laut Umfrage wollen übrigens 80% seiner Fans mit Adam Green schlafen, nun ja...).

(ganz groß: auf dem Boden abhängen und singen)
Das Programm war famos. Im folgenden mal die Setlist, von der ich nicht so hundertprozentig weiß, ob sie auch korrekt ist, aber Erinnerung plus Internet gleich gut oder so:
Heal the World
Hollywood Bowl
Bluebirds
Down in the street
Broken joystick
My shadow tags on behind
Carolina
In the Prince's Bed
Emily
Teddy Boys
Crackhouse Blues
No legs
Jessica
Choke on a cock
Dance with me
Gemstones
Party line
Over the sunrise
We're not supposed to be lovers
What a waster
Can you see me
Kokomo
Her father and her
Drugs
Friends of mine
I'll be your mirror
Salty Candy
We'll meet again
Besonders gefielen die akustische Einlage in der Mitte des Konzertes (nur Herr Green mit der Gitarre) sowie das Wunschprogramm, bei dem Leute aus dem Publikum sich Songs wünschen durften (Kokomo, Her father and her sowie Drugs waren das Ergebnis)

(Besondere Beachtung bitte für die Hintergrunddekoration)
Insgesamt war es ein grandioser Abend...

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