Das Konzert sollte um neun anfangen, weshalb wir noch ein paar gesellige Aktionen, essen gehen zum Beispiel, durchführen wollten. Also trafen sich Anja, Britta, Maren und ich anderthalb Stunden vorher am Hauptbahnhof (Britta reiste, da ich noch bei meinen Eltern festsitze weil das Wetter irgendwie nicht so autofahrfreundlich ist extra mit dem Zug aus Kiel an). Hamburg zeigte sich von seiner verschneiten Seite - was ich immer ganz schön finde, die anderen aber spontan frieren ließ (ungeachtet dessen empfehle ich jeden, mal bei starkem Schneefall abends durch eine Großstadt zu wandern)... Wir fanden einen kleinen Italiener in der Langen Reihe (der nur knapp das Rennen verloren hat gegen einen Schnellimbiß namens "Mr. Huhn") und stärkten uns eifrig mit Spezialitäten des Südens (Bier, Sprite, Pizza...). Ja, und wer mal von richtig schleimigen Kellnern zu einem halbwegs vernünftigen Preis (Pizza sechs Euro, großes Bier vier - für Hamburg geht das echt) bedient werden will soll bitte das "Casa Nostra" in der Langen Reihe probieren...
Naja, und halbwegs rechtzeitig landeten wir auch vor dem Grünspan (ein wunderbarer Ort, an dem schon unsere Eltern Drogen nahmen) wo wir schon die Klänge der Vorband, irgendwelchen Leuten namens Trashmonkeys, die ungefähr tausend Jahre alt sind und mir auch ohne daß irgendwer meinte daß sie aus dem Umfeld der Beatsteaks stammen recht unsympathisch waren... Aber da die komplette Vorbandperformance dazu genutzt werden musste, die Klamotten bei der Garderobe abzugeben war uns das eh egal.
Über eine Stunde ließen uns die Killers warten. Wir nutzten die Zeit um uns durchzuquetschen und einen Platz in der dritten Reihe zu ergattern (Vorteil: der durchschnittliche Killersfan ist fünfzehn Zentimeter kleiner als ich, bis auf diesen einen Typen mit dem Samtsakko, der aber schnell verschwand, nachdem Britta ihn mehrfach betatscht hatte). Anja begann sofort damit, die Leute in ihrer näheren Umgebung mit ihrer überschäumenden Killersliebe zu infizieren und schmiedete schonmal vorsorglich Heiratspläne...

(Anja erläutert irgendwem, daß die Killers wohl ziemlich gut sind...)
Ein paar Leute von ihrer Uni die gerade in Deutschland sind waren auch gekommen, ebenfalls einige Dänen und andere Engländer (davon etlich extra für dieses Konzert)... Naja...
Während der Wartezeit wurden jedenfalls gute Dinge auf die Bühne getragen, eine hübsche Eckiggitarre und ein zweiorganiges Keyboard, das über und über mit Spiegelplättchen beklebt war - alleine dafür hätte sich der Weg gelohnt!
Ganz amüsant fanden wir auch, daß einer vom Killers-Stab die erste Reihe nach Leuten absuchte, die singen wollen, da der Frontmann gerade ein wenig kränkele und deshalb Unterstützung bräuchte.
Anja sah zwar ihre Chance gekommen, gab aber gleichzeitig zu, nicht besonders textfest zu sein...
Schließlich, um halb elf, kamen die Killers doch noch auf die Bühne. Ein Sänger, ein Gitarrist mit guter Frisur und einem schicken Sakko, ein Bassist, der mich an irgendwen erinnert und ein Schlagzeuger, von dem Britta vorhin noch meinte, daß er aussähe wie irgendwer anders (ich glaube eine Mischung aus einem von Juli und noch irgendwas anderem, vielleicht einer Zucchini) - alle aus Las Vegas, einer Stadt von der ich bis vor kurzem nicht wusste, daß da tatsächlich auch Menschen leben...

(die Killers bei blauer Beleuchtung und einen Tick zu dunkel)

(der gute-Frisuren-Gitarrist)
Als ersten Song präsentierten sie "Jenny was a friend of mine", solide vorgetragen und überhaupt (wie eigentlich alles von den Killers, aber sie haben ja auch erst ein Album) ganz vorzüglich (die üblichen Floskeln, wie sie es schaffen, Synthiesounds der 80er mit dem Garagenrock von heute zu verbinden erspare ich mir an dieser Stelle und verweise auf ein beliebiges Musikmagazin in Eurer Nähe). Das zweite Lied sollte Mr. Brightside sein und der Sänger bat ein paar Mädels auf die Bühne, um ihn doch bitte ein wenig zu unterstützen, da es seiner Stimme gerade nicht so gut ginge...

(drei Engländerinnen, ein Ami und noch mehr Leute... l'amité anglais-americanne oder so...)
Nichtsahnend gingen sie nach oben, der Sänger spielte Keyboard statt zu singen und die anderen machten das was sie auch immer machten... Insgesamt also eine nette Aktion, wenn nicht folgendes passiert wäre: In der Mitte des Liedes verschwand der Sänger von der Bühne und kam auch nicht wieder... Der Bassist machte sich auch aus dem Staub und es blieben nur die Mädels, der Gitarrist und der Schlagzeuger übrig. Doch die beiden verdünnisierten sich auch nach dem Lied und kehrten erst durch geballte Forderungen seitens des Publikums wieder zurück. Die vollkommen perplexen Mädels waren inzwischen auch von der Bühne geräumt worden und überhaupt herrschte große Verwirrung über das was los ist. Schließlich kehrte der Sänger doch noch zurück und meinte, daß ja schon gestern das Konzert in Köln ausgefallen wäre und sie noch ein Ersatzkonzert irgendwann spielen würden und überhaupt... Überraschenderweise fand das Publikum das alles gar nicht so super und fing an, alles als Anti-Killers-Wurfgeschosse zu gebrauchen, was gerade da war (besonders beliebt: vollgeschwitzte Handtücher, die die Vorband ins Publikum geworfen hatte)... Er floh wieder, doch die Band blieb... Glücklicherweise war der Typ vom T-Shirt Verkauf relativ textfest und konnte auch ganz gut singen, weshalb er, begleitet durch Teile der Band seine 15 Minuten Ruhm ergatterte (Britta ließ sich später ihr Hemd von ihm unterschreiben weil er länger auf der Bühne war als die anderen - er heißt übrigens Ryan, wohnt in Las Vegas und bezeichnet sich als heißen Feger).

(souveräner Rock durch den T-Shirt Verkäufer)
Wir vier fanden gut was er machte, aber die anderen 500 irgendwie nicht so ganz, weshalb auch er von der Bühne gescheucht wurde, jedoch nicht ohne sich vorher mit dem Zitat in der Überschrift und einer Doppelstinkefingerpose, die Sido zur Ehre gereicht hätte verabschiedete...
Als nächste Geheimwaffe fuhren die Killers ihren Tourpromoter auf. Schließlich war auch niemand mehr auf der Bühne der sonst irgendwas hätte machen können. Er ist ein alter Mann mit einer Glatze und einem lustigen Hemd und während sich andere noch manchmal entschuldigen beendete er seine Ansprache, die wenigstens beinhaltete, daß es "Ende Juni, Anfang Juli" einen Nachholtermin gäbe mit den historischen Worten "pff, ich kann da auch nichts 'für"...

(der Altersdurchschnitt steigt besorgniserregend)
Nun ja, alle gingen raus um den T-Shirt Stand zu belagern weil es dort wohl jetzt Sachen für gratis und/oder billiger gäbe (immerhin hatte Maren ein Shirt und den Buttonsatz für insgesamt 10 Euro abgegriffen)... Also bei den Libertines oder Babyshambles wäre es zu Ausschreitungen gekommen die mindestens dreißig Todesopfer gefordert hätten, aber hier ist man nicht so bei sowas...
So blieb das arschlöcherige Verhalten der Band ungestraft und wir gingen halbwegs angenervt zum Burgerladen unseres Vertrauens...
Wir trennten uns mit gemischten Gefühlen und fuhren jeder für sich nach hause... Zumindest ich saß in der Bahn noch kurz bei einigen anderen, die auch beim Konzert waren und nicht so wirklich begeistert waren... Naja, ne fünf minus für die Killers, hoffentlich wird's nächstes Mal besser...

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