Nach langer langer Zeit (in der Zwischenzeit war ich sogar in Stuttgart im Zoo und habe da Faultiere gesehen - ich muss mal einen riesiglangen Beitrag verfassen) hier mal wieder ein bißchen Zeug von mir:
Ich wohne ja gerade exilmässig auf dem Land bei meinen Eltern da ich in Hamburg arbeite und in Kiel meine Wohnung nicht aufgeben wollte (was größtenteils daran liegt daß mir mein Arbeitgeber nicht gesagt hat wie lange ich da bleiben sollte und überhaupt) - lieb gemeinte Angebote meiner Freunde, bei ihnen einzuziehen habe ich aufgrund meiner bisherigen eher traumatischen Erfahrungen mit Freunden zusammenzuziehen ausgeschlagen. Jedenfalls ist es so daß ich relativ spät mit der Arbeit anfange - um zehn - und auch meist relativ lange bleibe. In der Regel konnte ich dann immer noch bequem mit dem Bus um 22:35 oder wenn ich nach der Arbeit noch irgendwas gemacht habe mit dem um 0:05 fahren. Was natürlich angesichts meiner doch eher nokturnal ausgerichteten Lebensweise immer noch recht früh ist - aber was will man machen?
Leider hat allerdings der HVV beschlossen die Linie die mich morgens schon immer froh auf den Tag einstimmt indem mir der zarte Duft nach Tankstelle den die zahlreichen Langzeitalkoholiker die sich mit mir die Fahrgastzelle teilen und die micht abends die letzten paar Kilometer nach draußen brachte ein wenig zu beschneiden. Was so aussieht daß der letzte Bus jetzt um 21:35 fährt. Scheiße. Toll gemacht, HVV. So lange arbeite ich meistens. Und mein soziales Gefüge leidet auch darunter daß ich nicht mal mehr nach der Arbeit ins Kino kann. Spitze, HVV, spitze!
Jedenfalls habe ich da keinen Bock mehr drauf und beschloss, mir ein Fahrrad zuzulegen...
Ich hatte sogar ein damals recht gutes Rad im Carport bei den Eltern stehen gehabt, allerdings haben zwei Jahre in denen ich es nie benutzt habe ihre Spuren hinterlassen. War es damals noch so halbwegs in Ordnung ist sein Zustand jetzt katastrophal. Über den Daumen gepeilt waren in etwa zweihundert bis zweihundertfünfzig Euro notwendig um die Teile zu beschaffen es wieder auf den alten Stand zu bringen. Ich bitte diese Zahl im Hinterkopf zu behalten.
Da ich allerdings durch eben dieses alte Rad was ich damals größtenteils selbst zusammengebaut (nur der Rahmen und die Gabel waren noch im Ursprungszustand) und mit einigen hochwertigeren Komponenten (Bremsen aus der Weltraumforschung, Schaltwerke aus der Formel 1, von einem 97-jährigen blinden Italiener auf meine Gesäßform zugeschnittener Sattel aus dem Leder von Koberindern, Klingel) ausgestattet hatte auf ein gewisses Minimum an Qualität gewohnt war kam natürlich auch kein x-beliebiges Fahrrad aus dem Baumarkt für mich in Frage. Zudem bin ich auch nicht gerade leicht (etwas, wofür ich immer noch meine selige Frau Großmama verantwortlich mache, aber wahrscheinlich schmeckt mir nur Schokolade zu gut) weshalb ich auch ein Rad brauchte, was relativ solide ist um nicht unter mir wegzuknicken. Da ich auch früher diesen ganzen Leichtbaukram eher lächerlich fand machte ich mir auf der anderen Seite auch keine Gedanken darüber, ein besonders leichtes Fortbewegungsmittel zu haben.
Nachdem ich mich ein bißchen informiert hatte war ich schließlich bei den Fahrrädern der Marke Corratec angelangt, warum weiß ich auch nicht. Vielleicht klingelte bei dem Namen irgendwas bei mir weil ich die von früher kannte (in der Mitte der Neunziger waren Corratecfahrräder ziemlich beliebt), keine Ahnung.
Meine Preisvorstellung zu dem Zeitpunkt war so "joah, 400 Euro vielleicht" - aus meiner Sicht schon eine Menge Geld. "Damals" fingen die halbwegs guten Fahrräder bei ungefähr 800 - 1000 Mark an, aber das waren auch andere Zeiten. Heute schaut die Fahrradpresse kaum auf Geräte für unter 600 Euro. Naja.
Bei Amazon sollte das günstigste Corratec, ein X-Vert Motion, knapp 500 Euro kosten. War mir natürlich zu viel. Ich guckte also ein wenig in der Gegend herum und fand schließlich bei Karstadt Spiel und Sport in Hamburg ein besseres Modell, ein X-Vert... ähh... Expert (glaube ich) aus dem Jahr 2005 was da runtergesetzt rumstand. Auf 600 Euro. Das Preisschild verkündete zwar daß es mal 1300 gekostet hätte, allerdings war das eine ziemlich übertriebene Angabe, vermutlich sollten dadurch Kunden gelockt werden - was offenbar seit zwei Jahren nicht geklappt hatte. Der Verkaufspreis laut der Corratecinternetseite liegt bei 850 Euro oder so.
Mental darauf eingestellt, mehr als meine ursprüngliche Vorstellung zu zahlen begab ich mich in den Laden und erlebte erstmal... nichts. Ich stand eine halbe Stunde hilflos herum während die Verkäufer... irgendwas machten. Der am meisten beschäftigte sortierte zum Beispiel Trikots, andere machten gar nichts. Nach längerer Zeit bequemte sich doch noch jemand zu mir. Es folgte ein durch zahlreiche Unterbrechungen geprägtes "Verkaufsgespräch" mit einem eher mürrisch gelaunten Herren in dessen Rahmen er mich auch mal ein paar Minuten allein ließ um wieder... irgendwas zu machen. Was ich natürlich als Kunde total super fand. Ich wusste nicht daß Karstadt so ein Luxusladen ist der sich seine Kunden aussuchen kann und eher weniger chic aussehende Studenten einfach stehen lässt. Der andere Kunde der in meinen Augen besser bedient wurde trug immerhin einen Anzug und wollte einen Tacho kaufen der bestimmt auch mindestens so teuer war wie das Rad. Immerhin durfte ich eine Probefahrt machen. Das Rad gefiel mir so ganz gut und trotz miesen Services beschloss ich zu fragen "ob da noch was im Preis ginge".
Der Verkäufer sah mich an als hätte ich gerade seinen Hamster getötet und meinte daß das Rad ja "von 1300 Euro runtergesetzt wäre". Naja... er zeigte sich wenig verhandlungsbereit und fragte nicht mal was ich mir denn als Preis vorstellte. Es war ja nicht so daß ich es geschenkt haben wollte, vermutlich wäre ich zufrieden gewesen wenn man mir ein Schloss oder eine Akkulampe dazugegeben hätte. Aber so weit kam es gar nicht erst. Auf den Verweis daß man derartige Räder anderswo noch wesentlich günstiger kriegen könne (zwar Versand, aber naja...) riss er es mir aus der Hand mit dem Kommentar "Dann kaufen Sie sichs doch im Internet!". Okay. Danke für den Tipp, Asi.
Zuhause dann im weltweiten Interwebs: Zwar finde ich eBay nicht wirklich toll (ich habe den Eindruck daß im Moment jeder schlechte Erfahrungen mit irgendwelchen Leuten hat die nicht zahlen oder falsche Ware zu spät liefern oder was auch immer - ich berichte vielleicht auch noch was...), trotzdem lockte der günstige Preis.
Ich gab als als Suchbegriff "X-Vert Expert" ein - das Rad also was bei Karstadt runtergesetzte 600 Euro kosten sollte und fand sofort eines zum Sofortkaufenpreis von 430. Hui. Selbst mit den horrenden Versandkosten von 40 Euro immer noch ein Schnäppchen. Allerdings bot der Händler noch die Option an, einen Preis vorzuschlagen.
Ich schlug ihm 350 vor.
Abgelehnt.
Ich schlug ihm 370 vor.
Abgelehnt.
Ich schlug ihm 400 vor.
Abgelehnt.
Warum bieten Leute die Option, einen Preis vorzuschlagen an wenn sie sowieso jedes Angebot ablehnen? Egal.
Der gleiche Händler hatte nochmal das gleiche Fahrrad als reguläre Auktion angeboten. Sie sollte noch ein paar Tage laufen und stand bei 160 Euro. Klar, das zieht noch mehr zum Ende an. Ich machte allerdings trotzdem mit und gab als Höchstgebot 350 ein, also das was schon mein erstes Angebot war.
Letzten Sonntag dann war die Auktion zuende und ich bekam den Zuschlag. Für 250 Euro. Jau. Und heute die Info daß es verschickt wurde.
Haha. Fick Dich, Karstadt!
12. Juli 2007
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