Nachdem im ersten Halbjahr schon viel Furore um die Band gemacht wurde, war sie doch im Vorprogramm der Bright Eyes auf großer Tour durch aller Herren Länder beschloss ich, mir das ganze auch mal anzugucken.

(Ausschnitt aus irgendeinem Hamburger Szeneblatt)
Also ab ins Molotow (alleine übrigens weil leider Maren noch schnell krank wurde), erfolglos versucht, ihre überschüssige Karte zu verkloppen (so berühmt ist die Band auch noch nicht, als daß sie das Molotow mit seinen geschätzt 150 Plätzen auch ausverkaufen könnte und 13 Euro sind ja auch ein beträchtlicher Preis).
Drinnen der von jeher gewohnte Anblick, Emos, Emo-Wannabies und ihre weiblichen Pendants scharrten sich vor der Bühne in dem knapp über zwei Meter hohen (Crowdsurfen strengstens verboten!) Raum der schon alles was Rang und Namen hat aus Skandinavien, Detroit und sonstwo beherbergte. Der Soundcheck versprach schonmal die gewohnt miserable Qualität die man aus dem Laden gewohnt ist und der LJ ist ja sowieso seit Jahrzehnten im Ruhestand (rote Lampe an, rote Lampe aus)... Nichtsdestotrotz, wenn ich irgendeinen Club als mein Zuhause bezeichnen würde wäre es dieser! Also schnell einen Platz rechts vor der Bühne gesichert und abgewartet...

(Michael eins)
Nun, da ja offenbar alle Bands aus dem Hause Saddle Creek eine große Clique bilden rekrutierten sich die Vorbands auch nicht aus irgendwelchen "Fremden" sondern aus den eigenen Reihen... Den Anfang machte ein gewisser Michael, optisch am ehesten als das Ergebnis einer Lliason zwischen Dave Grohl und Adam Green zu beschreiben. Alle fanden ihn putzig weil er noch nie auf einer Bühne gespielt hatte und er betonte oftmals, wie schwer es ihm fiele, das jetzt zu tun. Aber der Applaus als Reaktion auf seine Singer-Songwriterischen Ergüsse war frenetisch (und nicht aus Höflichkeit sondern weil er verdammt nochmal gut war!) und Michael augenscheinlich ziemlich glücklich...

(Michael zwei [rechts] und der Blake)
Beim letzten Lied kam ein anderer Typ, der glaube ich auch Michael hieß auf die Bühne und begleitete ein wenig. Er sollte die nächste "Vorband" darstellen und überzeugte auch soweit (später stellte sich heraus, daß Michael zwei, der irgendwie Peter Stormare extrem ähnlich sieht der Bassist der Hauptband ist). Er hingegen wurde bei zwei Liedern unterstützt von Blake, dem Gitarristen/Zweitsänger der Hauptband...

(Jenny Lewis - Minirock als ein Stück Lebenskultur)
Nach der kurzen Instrumentenstimmpause kam die Band fast unbemerkt auf die Bühne (für alle nicht-Ortskundigen: das Molotow hat leider weder einen richtigen Backstagebereich noch einen seperaten Bühneneingang, weshalb die Künstler sich den Weg durchs Publikum erst bahnen müssen) und begann praktischerweise gleich mit ihren aktuellen Singles die sie, ganz anders als auf den Alben keineswegs betont ruhig und poppig sondern eher von einem zurückhaltenden und doch irgendwie kraftvollen Elan darboten. Der Pop der Studioaufnahmen wich auf großen Teilen einem beständigen aber doch von ausgezeichnet dazu passenden elektronischen Elementen.

(der Blake - Zorgfrisur und Oliba als Zeichen guten Geschmacks)
Nach etwas über einer Stunde inklusive Zugabe war der Zauber leider auch schon wieder vorbei. Jenny Lewis, die immer wieder überwältigt war von dem Applaus, der ihr aus diesem nur wohnzimmergroßen Club entgegenschall bedankte sich artig und sichtbar gerührt, meinte daß sie gerne weiterspielen würde aber heute noch nach Schweden müsse und bahnte sich mit dem Rest der Band ihren Weg durch die zufriedene Menge.
Dieses Konzert hat einmal mehr bewiesen, daß es weder grandiose Effekte noch perfekte Technik braucht, um in einer Menge Emotionen wachzurütteln - Prädikat wertvoll!

(angestrengte Gesichtsausdrücke und Gallagher-Instrumenteneinsatz - es muss sich um Rock handeln...)
Anschließend noch schnell beim T-Shirt Mann für 15 Euro ein schickes gelbes Hemdchen mit verwirrendem Aufdruck (zwei aufeinanderprallende Autos, darunter "Rilo Kiley") und mit Müh' und Not die letzte Bahn Richtung Heimat genommen...
In Volksdorf, wo mein Auto stand traf ich zufällig Clemens. Durch seine guten Verbindungen in die hiesige Vorstadtdiscobesitzerszene kamen wir umsonst ins Riff rein, ein Laden für den wohl sonst niemand mit ein wenig Resthirn noch freiwillig Geld zahlen würde... Jedenfalls: Falls Ihr je ins Riff wollt und Geld sparen wollt, ruft Clemens an, auch gerne unter der Woche und mitten in der Nacht, er wird sich gerne Eurer Fragen annehmen!
Nachtrag: Wer mir sagen kann, wie ich dieses zugegebenermaßen recht psychedelische Foto erschaffen habe mag mich bitte aufklären:

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